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Evidence Action
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Kurzbeschreibung

Unterstützt Regierungen dabei, Schulkinder flächendeckend gegen parasitäre Würmer zu behandeln

Organisation

Evidence Action ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Washington, D.C., die wenige, gut belegte Gesundheitsprogramme in großem Maßstab umsetzt. Diese Seite betrifft ausschließlich das Programm Deworm the World; daneben betreibt die Organisation unter anderem Safe Water Now, Equal Vitamin Access und Syphilis-Free Start.1

Deworm the World verteilt nicht selbst. Das Programm unterstützt Regierungen technisch und finanziell dabei, staatlich getragene Massenentwurmungen an Schulen und in Gemeinden durchzuführen, gerichtet gegen bodenübertragene Helminthen (STH) und Bilharziose. Behandelt wird in Indien, Kenia, Nigeria, Pakistan und Malawi; in Tansania beginnt die Zusammenarbeit mit einer Erhebung der Wurmlast.2

Das Problem: Wurminfektionen

Die WHO schätzt, dass rund 1,5 Milliarden Menschen mit bodenübertragenen Helminthen infiziert sind, etwa 24 % der Weltbevölkerung. 654 Millionen Kinder im Schulalter leben nach WHO-Angaben in Gebieten mit intensiver Übertragung und benötigen Behandlung.3

Die Würmer entziehen dem Körper Blut und Nährstoffe. Die WHO nennt als Folgen Blutarmut, Mangelernährung sowie beeinträchtigte körperliche und geistige Entwicklung; sehr schwere Infektionen können einen Darmverschluss verursachen, der operiert werden muss.3 Betroffen sind vor allem Gemeinden ohne verlässlichen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung.

Dazu kommt ein Finanzierungsproblem. Evidence Action beziffert den Rückgang der öffentlichen Entwicklungshilfe für vernachlässigte Tropenkrankheiten auf 41 % zwischen 2018 und 2023, noch vor den Kürzungen bei USAID, und verweist auf den Global NTD Report der WHO von 2025, der von weltweit erheblich gestörten Programmen spricht.2

Ansatz

Statt eigene Verteilstrukturen aufzubauen, arbeitet Evidence Action mit Bildungs- und Gesundheitsministerien und nutzt vorhandene Strukturen, vor allem Schulen und geschulte Lehrkräfte. Nach eigener Darstellung umfasst die Unterstützung Schulungskaskaden, Prävalenzerhebungen, Begleitung der Medikamentenbeschaffung, Monitoring durch unabhängige Dritte sowie Aufklärungsarbeit in den Gemeinden.2

Behandelt wird mit Albendazol oder Mebendazol, gegen Bilharziose mit Praziquantel. Die Mittel sind von der WHO empfohlen, werden endemischen Ländern über die WHO gespendet und können von nicht-medizinischem Personal ausgegeben werden.3 Weil die Nebenwirkungen gering sind, wird die gesamte Zielgruppe behandelt, ohne einzelne Kinder vorher zu testen; eine Einzeldiagnostik wäre teurer als die Behandlung selbst.4 Für die Familien entstehen keine Kosten.1

Wirkung

Nach eigenen Angaben hat Deworm the World seit 2014 mehr als 2,2 Milliarden Behandlungen unterstützt,2 zuletzt rund 198 Millionen im Jahr 2024 in Indien, Kenia, Nigeria, Pakistan und Malawi.1 Die durchschnittlichen Kosten beziffert sie auf unter 0,50 US-Dollar pro Behandlung, in einzelnen Programmen auf 7 bis 8 US-Cent, und leitet aus eigener Modellierung ab, dass jeder investierte US-Dollar rund 169 US-Dollar an späteren Einkommen erzeugt.2

GiveWell rechnet vorsichtiger. Die Prüfung von August 2022 schätzt die Kosten in Kenia auf etwa 0,66 US-Dollar pro Kind, ohne die Sachleistungen der Regierungen auf 0,46 US-Dollar, und in Indien auf etwa die Hälfte davon.5 In der Förderentscheidung vom Mai 2025 vergleicht GiveWell die Wirkung mit einer gleich hohen Direktzahlung: die Programme in Nigeria auf das 11- bis 15-Fache, das Programm in Khyber Pakhtunkhwa auf das 10-Fache. Beide Werte stammen aus der Analyse von 2024 und wurden für diese Entscheidung nicht neu berechnet; das 10-Fache erreicht GiveWells damalige Förderschwelle genau.4

Die Evidenzbasis geht auf eine randomisierte Studie in Kenia von Michael Kremer und Edward Miguel zurück. Evidence Action fasst deren Ergebnisse so zusammen: 25 % weniger Schulfehltage bei behandelten Kindern und, zwanzig Jahre später, ein um 13 % höheres Einkommen bei denjenigen, die zwei bis drei zusätzliche Jahre behandelt worden waren. Eine Metaanalyse von 2022 findet zudem eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 0,3 kg.1

Transparenz

Evidence Action veröffentlicht Prävalenz- und Deckungserhebungen und legt sie GiveWell zur Prüfung vor. GiveWell bescheinigt dem Programm durchgehend starke Monitoringarbeit und eine mediane Behandlungsdeckung in Nigeria von 77 % zwischen 2016 und 2022, oberhalb der WHO-Zielmarke von 75 %.4

GiveWell führte Deworm the World von 2013 bis 2022 als Top-Charity. Im August 2022 änderte GiveWell die Kriterien dieser Liste und nahm das Programm heraus. Nach eigener Darstellung war das keine Neubewertung des Programms, sondern eine Verschiebung hin zu Interventionen mit sichererer Wirkungskette; über den All Grants Fund bleibt Deworm the World förderfähig.5

Deutlicher ist die Position von Mai 2025: Entwurmung sei kein vorrangiges Interventionsfeld mehr, und GiveWell wolle sich schrittweise zurückziehen. Der Grund liegt im Erfolg der Programme selbst. Wo über Jahre entwurmt wurde, ist die Wurmlast stark gefallen, und wie viel Nutzen weitere Behandlungsrunden dann noch bringen, lässt sich nach dieser Einschätzung nicht mehr beziffern. In Kenia sank die STH-Prävalenz laut der Erhebung von Evidence Action und dem Kenya Medical Research Institute von 32,3 % (2012) auf 5,8 % (2021/2022).4

Bemerkenswert ist, wie offen GiveWell dabei über die Grenzen der eigenen Analyse spricht. Das Kosteneffektivitätsmodell rechnet mit dem Infektionsrisiko von vor Programmbeginn und überschätzt damit nach eigener Aussage den Nutzen weiterer Entwurmung in Kenia. Wie stark die Infektionen nach einem Ausstieg zurückkehren, ist offen: die DeWorm3-Studie fand nach zweijähriger Unterbrechung in einigen Gebieten und Altersgruppen wieder höhere Prävalenzen, doch GiveWell hält fest, die berichteten Ergebnisse in der veröffentlichten Fassung nicht eindeutig wiedergefunden zu haben, und benennt das Rückfallrisiko als eigenen Vorbehalt gegen den Ausstieg aus Kenia.4 Bereits 2024 hatte GiveWell angemerkt, mit der Gewichtung der langfristigen Einkommenseffekte unter den Gebern ein Ausreißer zu sein und deshalb möglicherweise etwas zu übersehen.6

Aktuelle Projekte

Die Förderentscheidung von GiveWell aus dem Mai 2025 umfasst 1,4 Millionen US-Dollar für das Jahr 2027, aufgeteilt auf Kenia (830.000 US-Dollar), Nigeria (300.000 US-Dollar) und Pakistan (250.000 US-Dollar).4

Nigeria

Förderung bis 2027Cross River, Ogun, Oyo und Rivers

Für Lagos endete die Förderung 2025. Nach sieben Jahren in Cross River gibt Evidence Action die STH-Prävalenz um 49 % und die Bilharziose-Prävalenz um 75 % gesenkt an, woraufhin der Bundesstaat die Behandlungsfrequenz in Gebieten mit niedriger Belastung reduziert hat.2 GiveWell hält die Programme hier für weiterhin kosteneffektiv, weil die Wurmlast in den meisten Verwaltungsbezirken noch mittelhoch ist.4

Kenia

Förderung bis 2027, danach Übergabe

Letztes Förderjahr durch GiveWell. Evidence Action erarbeitet mit der Regierung eine Ausstiegsstrategie, damit Behandlung und Überwachung in kleinerem Umfang staatlich weiterlaufen.4 Nach der Erhebung von 2021/2022 liegen 10 der 27 Counties unter 2 % Prävalenz, der Schwelle, ab der die Massenbehandlung ausgesetzt werden kann.2

Pakistan

Förderung bis 2027Provinz Khyber Pakhtunkhwa

Ebenfalls letztes Förderjahr; GiveWell begründet den Ausstieg mit der grenzwertigen Kosteneffektivität und dem hohen Betreuungsaufwand.4 Landesweit erreicht das Programm nach eigenen Angaben rund 14 Millionen Kinder jährlich. Im Oktober 2025 startete eine nationale Wirkungserhebung, die Provinzregierung von Khyber Pakhtunkhwa hat zugesagt, drei Jahre lang 20 % des jährlichen Umsetzungsbudgets zu tragen, und Evidence Action schätzt, dass drei bis fünf weitere Behandlungsrunden eine Übergabe an die Regierung ermöglichen würden. Ohne zusätzliche Mittel droht ein vorzeitiges Ende.2

Indien

Übergabe bis März 2027drei Bundesstaaten mit voller technischer Unterstützung

Am National Deworming Day im August 2025 wurden nach Angaben von Evidence Action 146,8 Millionen Kinder behandelt. Erhebungen in elf Bundesstaaten zeigen deutliche Rückgänge: Himachal Pradesh und Rajasthan unter 1 %, Chhattisgarh von 75 % auf 14 %. Alle indischen Programme sollen bis März 2027 eigenständig laufen.2

Malawi

Förderung bis 202715 Distrikte

Seit 2024 ein integriertes Schulgesundheitsprogramm, das Entwurmung mit Eisen- und Folsäuregabe verbindet und dadurch nach eigenen Angaben 12 % der Kosten spart; erreicht werden dabei auch 1,3 Millionen Mädchen im Jugendalter. Geplant sind 8,5 Millionen Behandlungen über drei Jahre. Evidence Action sucht Partner für eine Fortsetzung bis 2030.2

Tansania

Partnerschaft seit 2025

Mehr als 10 Millionen Kinder gelten als gefährdet. Für 2026 ist die erste landesweite Prävalenzerhebung seit über 20 Jahren geplant, um die Behandlung auf Distrikte mit hoher Wurmlast zu konzentrieren; finanziert wird der Einstieg von Founders Pledge.2

Warum der Geld für die Welt Fonds Deworm the World finanziert

Entscheidend ist, dass hier beide Hälften belegt sind: dass die Behandlung wirkt, und dass sie ankommt. Die Wirkungskette von der Tablette zur gesenkten Wurmlast ruht auf randomisierten Studien mit zwanzigjähriger Nachbeobachtung, und das Programm weist die gefallene Prävalenz in eigenen, extern geprüften Erhebungen nach, statt sie zu behaupten. Der Rückzug von GiveWell aus Kenia und Pakistan ist dabei kein Einwand, sondern die Folge dieses Erfolgs: wo jahrelang entwurmt wurde, ist die Belastung so weit gesunken, dass sich der Nutzen weiterer Runden nicht mehr beziffern lässt. Wo sie noch hoch ist, in Nigeria, Malawi und Tansania, ist die Behandlung nach wie vor eine der günstigsten Möglichkeiten überhaupt, die Gesundheit eines Kindes dauerhaft zu verbessern. Deshalb zahlt der Geld für die Welt Fonds an Deworm the World aus.

Footnotes

  1. Evidence Action, „Deworm the World“. evidenceaction.org 2 3 4

  2. Evidence Action, „Don't gamble away remarkable NTD gains“. evidenceaction.org 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  3. World Health Organization, „Soil-transmitted helminth infections“, 18. Januar 2023. who.int 2 3

  4. GiveWell, „Evidence Action's Deworm the World Initiative — 2027 Funding for Nigeria, Kenya, Pakistan (May 2025)“. givewell.org 2 3 4 5 6 7 8 9

  5. GiveWell, „Evidence Action's Deworm the World Initiative – August 2022 version“. givewell.org 2

  6. GiveWell, „Evidence Action's Deworm the World — Renewal Grant for Nigeria, Pakistan, Kenya, and India (March 2024)“. givewell.org

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